• Schlosskonzerte Bad Iburg Saison 2017/2018


  • Sonntag, 19. November 2017 | 18.00 Uhr Oleg Poliansky | Klavier


  • Sonntag, 11. März 2018 | 18.00 Uhr Alexey Semenenko | Violine & Inna Firsova | Klavier


Die Schlossherren

Karl der Große (772 bis 783)

Die Iburg soll schon in vorchristlicher Zeit bei den Sachsen eine Bergfeste (Viberg, altsächsisch = Bergfeste) gewesen sein.
Karl der Große soll sie 772 und nach Wiederaufbau 783, endgültig zerstört haben. Er zerstörte aber nicht nur, er gründete u.a. auch das Bistum Osnabrück und ließ dort, wo der Osnabrücker Dom steht, die erste Missionskirche zur Christianisierung der Sachsen bauen.

Benno II. (1068 bis 1088)

Der aus Schwaben stammende Benno II. (1068 bis 1088), der Burgenbauer und Kanzler Heinrichs IV., ist der Begründer und Erbauer der Iburg. Aufgrund eines Gelübdes stiftete er dem Heiligen Klemens, denn er war 1068 am Klemenstag (23. November) zum Bischof ernannt worden, einen Altar, holte Benediktinermönche nach Iburg und begann mit dem Bau einer Kirche. Als dreischiffige romanische Basilika wurde sie 1120 geweiht. Damit begann ein unmittelbares Nebeneinander von Schloss und Benediktinerkloster, das eine Eigenart der Gesamtanlage darstellt. In den Eigentumsverhältnissen waren beide streng von einander getrennt. Gemeinsam genutzt wurden der südliche Aufgang, die sog. Klotzbahn (von plattdeutsch "Kloet" oder "Klot" = Kugel), und der Binnenhof vor der Klosterkirche.

Konrad I. (1227 bis 1239)

Die Bestrebungen der Osnabrücker Bischöfe, neben ihren geistlichen Aufgaben auch über die weltliche Macht zu verfügen, kann man 1236 als erfolgreich beendet ansehen, nachdem Bischof Konrad I. (von Velber) die Vogteirechte (Gerichts- und Militärhoheit) erhalten hatte.
Das Gebiet des ehemaligen Fürstbistums Osnabrück erstreckte sich im übrigen etwa auf das des heutigen Großkreises Osnabrück und eine Exklave um Wiedenbrück (Amt Reckenberg), während die Diözese (Kirchenprovinz) bis vor die Tore Oldenburgs reichte.

Bruno (1239 bis 1258)

Die verwitwete Jutta von Vechta (von Ravensberg), die ihre Vogteirechte in den heutigen Landkreisen Vechta und Cloppenburg verkaufen wollte, da sie ohne männliche Erben war und in die Eifel geheiratet hatte, bot 1252 ihre Rechte dem Osnabrücker Fürstbischof Bruno zum Kauf an; denn der verfügte dort schon über die kirchlichen Befugnisse. Da er das nötige Geld nicht hatte, wandte sich Jutta von Vechta an den Bischof von Münster: "Was St. Peter (Osnabrück) nicht will, wird St. Paul (Münster) nicht verschmähen." Der Münsteraner kaufte für 40.000 Taler und gewann so die weltliche Herrschaft dieses Raumes für Münster, während die geistliche noch bis 1667 bei Osnabrück verblieb ("Petrus führte den Schlüssel und Paulus das Schwert").

Johann II. (1348 bis 1366)

Nach einem Brand 1349, der Burg und Kloster mit Ausnahme des nördlichen Querflügels der romanischen Klosterkirche vernichtete, baute Johann II. von Hoet sie wieder auf.

Konrad IV. (1482 bis 1508)

Konrad IV. von Rietberg befestigte Burg und Flecken Iburg. Durch ihn erhielt der sogenannte Bennoturm, der älteste Teil der bischöflichen Anlage, im wesentlichen die heutige Gestalt.
Ein Wappen an der Ostseite mit den Rietberg'schen Adlern deutet auf den Erbauer hin. In den Zellen diese Turmes haben u.a. auch die Wiedertäufer Bernd Knipperdolling, Jan van Leiden und Bernd Krechting mehrere Monate zubringen müssen, nachdem Fürstbischof Franz von Waldeck (1532 bis 1553) sie in Münster 1535 besiegt und gefangengenommen hatte. Hingerichtet wurden sie in Münster im Januar 1536.
Auch der Osnabrücker Bürgermeister Dr. Pelzer, der seinem Landesherrn während des Dreißigjährigen Krieges den nötigen Respekt versagte, wurde danach in diesem Turm und in Fürstenau mehr als sechs Jahre elend gefangengehalten. Er überlebte zwar, war aber blind und wahnsinnig als er endlich freikam.

Fernwasserleitung für das Kloster, 1518

1518 bauten die Mönche unter ihrem Prior Frerking aus Oldenzaal die erste Fernwasserleitung Norddeutschlands vom 331m hohen Dörenberg durch das Tal zum 161 m hohen Schlossberg in einer Länge ca. 2000 m (Gesetz der kommunizierenden Röhren).

1553, Philipp Magnus, Prinz von Braunschweig-Wolfenbüttel

Im Rahmen eines Vergeltungsfeldzuges im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen nach der Reformation erobert und plündert der Prinz die Iburg, das Kloster und den Flecken. In einem zeitgenössischen Bericht werden die eroberten und geraubten Schätze besonders hervorgehoben.

Philipp-Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel (1591 bis 1623)

Die Braunschweiger investierten aber auch wieder in Iburg, denn unter Philipp-Sigismund wurde durch tüchtige Baumeister an fast allen Schlossteilen gebaut.
Er schuf den Rittersaal als Jagd- und Esssaal sowie 1595 in seinem Lustgarten, genannt das "Freudenthal", am südlichen Abhang des Schlossberges ein Lusthaus. Dieses "Forsthaus im Freudenthal" erhielt 1650 seinen heutigen Standort in den Kuranlagen. Dieser Fürstbischof gab dem Schloss die heutige Gestalt als vierflügelige Renaissanceanlage.

Franz Wilhelm von Wartenberg (1625 bis 1661)

Der Dreißigjährige Krieg brachte viele Zerstörungen, insbesondere durch die schwedische Besatzung von 1633 bis 1650, so dass von den Aktivitäten Philipp-Sigismunds nur wenig erhalten blieb.
Bevor der geflohene Franz Wilhelm von Wartenberg, ein unebenbürtiger Nachkomme der Wittelsbacher, 1650 nach Abzug der letzten Schweden zurückkehren konnte, hatte man sich in den Friedensverhandlungen zu Münster und Osnabrück erst über die Zukunft des zur Hälfte protestantisch gewordenen Fürstbistums verständigen müssen. Die Schweden erhielten 80.000 Taler Entschädigung für ihren Abzug. Für den Ausgleich der Interessen der kaiserlich-katholischen Partei und der prostestantisch-welfischen "erfanden" die Diplomaten die wechselnde Bischofsfolge (Alternierende Sukzession). Eine einmalige Regelung im Deutschen Reich, die nach dem Tode des katholischen Fürstbischofs die Regierung durch einen protestantischen aus dem Welfenhause festlegte. Diesem folgte wieder ein Katholik und sofort.
Da Franz Wilhelm wusste, wie zerstört sein Schloss war, brachte er Baumeister aus seiner bayrischen Heimat und Andrea Aloisi Galanini, einen Maler aus Bologna, mit. Er musste einige Flügel von Grund auf neu errichten. Ihm und seinen Baumeistern verdanken wir die barocke Ausgestaltung des Rittersaals, dem Glanzstück des Schlosses, entstanden in den Jahren 1650-1661. Nach den Renovierungen durch das Land Niedersachsen, dem heutigen Eigentümer des Schlosses, in den Jahren 1984/85 und 1995/96 erstrahlt der Raum wieder in seinem ursprünglichen barocken Glanz.
Die perspektivische Deckenmalerei ist die älteste noch original erhaltene nördlich der Alpen. Eine ältere in der Münchener Residenz ist im 2. Weltkrieg zerstört worden.
Rundherum sind in acht großen Deckengemälden folgende Taten des Herakles dargestellt:

-Kampf mit dem Höllenhunde Cerberus
-Kampf mit dem nemäischen Löwen
-Kampf mit dem kretischen Stier
-Herakles verrichtet weibliche Arbeit
-Herakles holt die Äpfel der Hesperiden
-Herakles kämpft mit dem Riesen Antäus
-Herakles kämpft mit der lernäischen Hydra und
-Herakles trägt für Atlas die Weltkugel,
der Sage nach das Himmelsgewölbe.
Die Bilder über dem Kamin stellen im Hinblick auf das von ihm zu bergende Feuer den Brand der drei Männer im Feuerofen, das Brandopfer Kains und den Brand Sodoms und Gomorras mit der Rettung der Familie Lot dar.
Auf den Porträts an den Wänden ("Osnabrücker Bischofsgalerie") im Rittersaal und in der Vorhalle sind die Osnabrücker Bischöfe und Landesherrn sowie Karl der Große, Widukind, sein Vater und einige andere für das Bistum bedeutende Persönlichkeiten zu sehen.
Der Fußboden des Rittersaales weist mit blauschwarzen und weißgrauen rautenförmig verlegten Fliesen auf das bayrische Wappen von Franz Wilhelm hin.

Ernst August I. von Braunschweig-Lüneburg (1661 bis 1698)

Der aufgrund der alternierenden Sukzession nun folgende Landesherr und spätere Kurfürst von Hannover, Ernst August aus dem protestantischem Hause Braunschweig-Lüneburg, vollendete die von Franz Wilhelm begonnenen Bauarbeiten. Auf ihn geht auch die Einrichtung der lutherischen Schlosskirche in einem Seitenflügel im Jahre 1664 zurück. Seitdem sind auf dem Gelände der Iburg beide Konfessionen mit einem Gotteshaus präsent.
Mit Ernst August kam seine kluge Gemahlin Sophie von der Pfalz. In ihren Adern floss das Blut der Stuarts, denn sie war durch ihre Muter Elisabeth Stuart, der Gemahlin Friedrichs V. von der Pfalz, eine Enkelin Jakobs I. von Schottland und England. Aufgrund dieser Abstammung erbte 1714 ihr Sohn Georg Ludwig als Georg I. die Krone Großbritanniens.
In einer "bescheidenen Kemenate" schrieb Sophie schenkte sie am 30. Oktober 1668 auf der Iburg ihrer Tochter Sophie Charlotte das Leben (Charlottenzimmer). Diese Tochter heiratete den späteren Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg-Preußen, der sich am 18.01.1701 in Königsberg zum ersten König in Preußen krönte. So ist die hier geborene Sophie Charlotte die erste preußische Königin geworden. Sie war die Mutter des Soldatenkönigs und die Großmutter Friedrichs des Großen. Mit diesen verwandtschaftlichen Fäden der Herrscherhäuser von England, Hannover und Preußen erhält das Schloss seine überregionale Bedeutung.
Ernst August bzw. seiner anspruchsvollen Gemahlin Sophie wurde jedoch die Iburg später zu klein. Deshalb ließ er in Osnabrück ein größeres Schloss errichten und verlegte 1673 die Residenz nach dort. Damit endete die 600jährige Residenz der Osnabrücker Fürstbischöfe auf der Iburg. Die Burg verwaiste mehr und mehr.

Klosterneubau mit Johann Conrad Schlaun von 1751 - 1755

Das Kloster erhielt unter dem Abt Adolph Hane zur o. a. Zeit den heute noch vorhandenen barocken Neubau im Osten durch Johann Conrad Schlaun, den Meister des westfälischen Barocks. Schlaun erbaute u.a. auch den Erbdrostenhof und das Schloss in Münster sowie Clemenswerth in Sögel.
Nach der Säkularisation fielen das Fürstbistum Osnabrück und die Iburg mit dem Kloster endgültig an das Welfenhaus.
Als 1866 Hannover preußische Provinz wurde, ging auch das Schloss in preußischen Besitz über. Seit der Zeit sind Verwaltungsdienststellen im Schloss untergebracht gewesen. Jetzt nutzt das Land Niedersachsen als Eigentümer das Schloss mit zwei Dienststellen der Landesverwaltung, dem Amtsgericht Bad Iburg und dem Bildungsinstitut der Polizei Niedersachsen.

Horst Denningmann Ltd. Polizeidirektor

Aktuell:

Seit Mai 2005 ist Schloss Iburg offizieller Sitz der Niedersächsischen Schulinspektion.

Der Kulturträger Landschaftsverband Osnabrücker Land bezog im Mai 2006 mit seiner Geschäftsstelle die ehemalige Hofapotheke auf Schloss Iburg. Um 1600 errichtet, verbindet das Gebäude als Teil der alten Doppelanlage den Schloss- und den Klosterbereich. Aus der Erbauungszeit haben sich noch ein steinerner Kamin sowie wenige Reste des ursprünglicheen Wandputzes erhalten.
Der Landschaftsverband Osnabrücker Land ist zuständig für die regionale Kulturförderung in Stadt und Landkreis Osnabrück, etwa durch finanzielle Förderung oder durch eigene Projekte. Die wissenschaftliche Erschließung von Schloss Iburg gehört neben anderen zu den Schwerpunktthemen des Verbandes.