Bad
Iburg, 2. Oktober 2009
Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kammermusikfreunde!
Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kammermusikfreunde!
Ja, das ist schon eine höchst seltsame und tragische Geschichte, die hinter
dem Altus-Sänger unseres kommenden Konzerts und hinter den anderen Countertenören
steht. Am Sonntag, dem 1. November wird der junge Altist Stefan Görgner
mit Jakob David Rattinger, Viola da Gamba und Michael Eichele, Laute (Archiluto)
Solokantaten von Händel, Lieder von Adam Krieger und David Hume im Rittersaal
zur Aufführung bringen. Das Programm soll mit Lautenstücken von Marin
Marais und de Mach gewürzt werden.
Es gehört zu den makabersten Witzen der Kirchen- und Musikgeschichte, was
sich da seit dem 16. Jahrhundert zugetragen hat und was letztlich auf des Apostel
Paulus` Verdikt zurückreicht, demzufolge das Weib in der Kirche zu schweigen
habe. Die „Sittenverderbnis“, die Geistliche in der „öffentlichen
Schaustellung der Frauen“ sahen, entschied endgültig über das
Los Tausender junger Italiener in den folgenden Jahren zwischen 1650 und 1800.
Um die hohe reine und klare Knabenstimme zu erhalten wurden in Italien
Tausende Knaben operativ entmannt (kastriert), wobei jährlich
bis zu 400 Knaben vor dem Stimmbruch an den Operationsfolgen starben. Die
erste bekannte Stellungnahme ist ein Breve Papst Clemens`VII. vom Ende
des 16. Jahrhunderts. , in welchem er die „Kastration, zur Ehre
Gottes“ billigt.
“Diese Sänger verbrauchten daher (ungeheuer großer
Brustkorb) so wenig Luft, dass sie mühelos eine Minute oder länger
dauernde Kadenzen singen konnten, ohne Atem holen zu müssen“, … dass
die Damen… „vor Entzücken in Tränen ausbrachen oder
in Ohnmacht fielen“. (Oskar Bie: „Die Oper“ 1913)
Nun stellte man vor etwa 50 Jahren –das ist meine Vermutung!-
fest, dass die damals in Italien so üblichen menschenverachtenden
medizinischen Eingriffe gar nicht nötig waren, um eine hohe, weiche
und reine Knabenstimme auch bei erwachsenen Männern zu erzeugen.
Bei günstiger stimmlicher Disposition kann man über den Ausbau
des Kopfregisters (Kopfstimme), bzw. über das Falsettieren die
damals so begehrte hohe und weiche Männerstimme erzeugen. Welch
ein fataler Irrtum!!
Am Sonntag, d.1. November werden wir Gelegenheit haben mit Herrn Görgner
und den Begleitinstrumenten barocke Musik zu hören, wie sie damals
erklungen ist und wie sie über drei Jahrhunderte heiß und
innig vom Publikum enthusiastisch geliebt wurde.
Freundliche
Grüße!

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