Bad Iburg, 24. August 2006

Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kammermusikfreunde!

Für die Kammermusiksaison 2006/07 ist es – glaube ich - wieder gelungen, ein interessantes und abwechslungsreiches Programm zu erstellen. Das trifft in besonderem Maße für das erste Konzert (am Samstag,d.9. Sept. 20 Uhr) zu. Die Bewerbungs- CD des „casalQuartetts“ mit Einzelsätzen aller Stilepochen von Haydn über Schumann, Hugo Wolf, Zemlinsky, Ginastera bis Schulhoff habe ich mir in den Herbstferien des vergangenen Jahres in Schweden immer wieder angehört und fand, dass das Quartett über eine Stilsicherheit verfügt, „die man visionär nennen möchte“ (FAZ).

Zum Quartett von Erwin Schulhoff schreibt Astrid Hippchen: „E.Schulhoff (*1894) lässt sich kaum in eine der Stilrichtungen der zwanziger und dreißiger Jahre einordnen. Er fand eine Synthese aus Expressionismus und Neoklassizismus, ...versuchte den Dadaismus in der Musik zu etablieren und schöpfte Ideen aus Jazz-Rhythmen. .. Ab 1933 war ihm aufgrund seiner jüdischen und tschechischen Abstammung jede Konzerttätigkeit in Deutschland verboten.. Schulhoff konnte sich lange Zeit nicht zur Emigration entschließen. Noch während er auf ein Visum aus Moskau wartete, wurde er ins Kriegsgefangenenlager Würzburg gebracht, wo er ..1942 starb.“

Der Harenberg Kammermusikführer zitiert zu dem f-Moll-Quartett zunächst Beethovens eigene Widmung: “Quartetto serioso 1810 im Monath october Dem Herrn von Zmeskall gewidmet und geschrieben im Monath october von seinem Freunde LvBthvn.“ Nikolaus Zmeskall von Domanovecz, war ein Cello spielender Freund des Komponisten und wusste um die unglückliche Liebe Beethovens zu Therese Malfatti, die im Mai 1810 dessen Heiratsantrag abgelehnt hatte, was den Komponisten zu der düster- melancholischen, aber auch mit zornig auffahrenden Gesten durchzogenen Musik angeregt haben soll.

An der Tschaikowski-Komposition haben wir uns als Amateurquartett jüngst auch versucht; mit sehr mäßigem Erfolg! Im zweiten Satz konnten wir vier unsere Seelen auf die Griffbretter legen, denn es sind zwei lyrische Melodien. „Die erste , ein wehmütiges Volkslied, das Tschaikowski angeblich einen Handwerker hat singen hören, die zweite , ein schwärmerisches Cantabile, von der Violine zu Pizzicato-Bässen vorgetragen, wechseln zweimal einander ab. ...Dieser Satz gehört dank seiner Melodik zu den populärsten Schöpfungen des Komponisten.“ (A.Beaujean) Am ersten Satz, von dem Eduard Hanslick 1881 schrieb „eine leichtfüßige , ganz eigentlich pikante Composition“, haben wir uns die Finger wund geübt; dem tänzerischen Scherzo fühlten wir uns anfangs noch gewachsen; im Finale: Allegro giusto gaben wir auf. Nun ist die Neugier groß, wie die vier jungen Meister vom „casalQuartett“ uns vieren die Schamröte in die Ohren treiben werden.

 Freundliche Grüße!

P.S. Sonderkonzert mit ausschließlichen Kompositionen Mozarts am 11.Juni 06

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