Erlesene Kammermusik
Von Martina Binnig
Osnabrück.
Mit einem Konzert des Barockensembles Epoca Barocca
endete die Saison 2009/2010 der Iburger Schlosskonzerte: ein
dem hohen Niveau der Reihe angemessener Ausklang. Denn Epoca
Barocca besteht aus Spezialisten der Alten Musik, die schon
seit 1994 miteinander konzertieren. Die Musiker sind bestens
aufeinander eingespielt, und ihre Vertrautheit mit der Msikspracuhe
des 18. Jahrhunderts schlägt sich in einer ausgesprochen
lebendigen und homogenen Musizierhaltung nieder.
Als Klammer ihres Programms stehen Werke für ihre Gesamtbesetzung:
Georg Friedrich Händels Sonata a quattro d-Moll zum festlichen
Beginn und Antonio Vivaldis Sonata a quattro C-Dur zum fetzigen
Finale. Hier eifert Mary Utiger an der Violine mit Oboist Alessandro
Piqué und Fagottist Lyndon Watts um die Wette: Mal beginnt
die Violine und wird von der Oboe imitiert, mal ist es andersherum,
oder Violine und Fagott finden in einem Dialog zusammen. Stets
aufmerksame Begleiter sind Gerald Hambitzer am Cembalo und Klaus-Dieter
Brandt am Violoncello.
Dazwischen treten die Instrumente solistisch hervor: in Johann
Friedrich Faschs Sonata C-Dur etwa das Fagott. Genauer: das Barockfagott.
Und das sieht nicht nur schlanker aus als sein heute üblicher
Nachfahre, sondern es klingt auch so. Watts legt zarte Wehmut
ebenso wie virtuoses Temperament in sein Spiel und begeistert
mit dem obertonreichen Klang und der Beweglichkeit seines Instruments.
Auch die Barockoboe Piqués nimmt mit ihrer Wärme
ein – besonders im wunderschön klagenden Largo der
G-Dur-Sonate von Johann Adolf Hasse. Im Allegro dagegen gehen
zunächst Cembalo und Cello und dann auch die Oboe mit energischen
Aufwärtsläufen ab wie eine Rakete.
Ganz allein ist Hambitzer mit zwei gegensätzlichen Cembalosonaten
von Domenico Scarlatti zu hören. Trotz gleicher Tonart wirkt
die eine eher melancholisch introvertiert und die andere motorisch
wild wie spanische Flamenco-Musik. In verschiedenen Trio-Besetzungen
lässt sich die Farbigkeit der unterschiedlichen Instrumentenkombinationen
genießen: Vor allem Christoph Schaffraths Triosonate überrascht
mit verzahnter Rhythmik und „Sturm und Drang“-Gestus.
Dabei versteht es das Ensemble genau, minimale Tempoverzögerungen
zu setzen, und schafft lebendige Kontraste zwischen verinnerlichten
Momenten, harschen Akzenten und tänzerischem Swing.
Auch die nächste Spielzeit, die im September beginnt, bietet
wieder erlesene Kammermusik wie etwa mit dem renommierten ensemble
amarcord.
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