NOZ, 21.11.2011
 

 

Werke von Beethoven, Schubert und Haydn im Programm
Abegg Trio im Iburger Schloss

Von Jan Kampmeier
Bad iburg. „Erzherzogtrio“, das liest sich etwas sperrig, und irgendwie klingt Beethovens Klaviertrio op. 97 auch so. Es ist lang, es ist von einem einigermaßen bizarren Humor geprägt, und es ist also ein typischer Beethoven. Das Abegg Trio verstärkt diesen Eindruck noch, denn die drei Musiker gehen das Werk beim Iburger Schlosskonzert ziemlich schroff an.

Die Interpretation ist nicht unbedingt rund, was Dynamik und Übergänge betrifft, aber das ist vielleicht auch nicht der Sinn der Sache. Die Künstler haben wohl nicht vor, Kanten zu glätten. Das funktioniert im Scherzo gut und passt auch zum bockigen Finale, das gar nicht besonders schnell, aber mit Attacke erklingt. Die Variationen des langsamen Satzes könnte man sich aber auch gut zarter und mit weniger Druck vorstellen, „cantabile“ hat Beethoven darüber geschrieben. Ob er sich die Linien, schlicht gesagt, so laut vorgestellt hat, besonders vom Cello? Es bleibt immerhin spannend, bequem zurücklehnen ist nicht. In Schuberts Trio B-Dur, noch länger als Beethovens Werk, wählt das Abegg Trio gelassene Tempi. Damit ergeben sich im ersten Satz immer wieder eigenartige Kontraste zu manch abgründiger Episode. Es versteht sich, dass auch hier nichts geglättet wird. Der langsame Satz ist beim Abegg Trio nur mäßig langsam. Sehr intensiv ertönt das Cello zu Beginn und wird im Verlauf dieses Satzes voller Streicherkantilenen immer wieder besonders glutvolle Klänge beisteuern. Plötzlich eine Episode in fahlem Licht, zurückgenommen, ohne Vibrato – sehr eindrucksvoll. Es ist technisch nicht immer alles ganz perfekt, und besonders Schuberts dritter und vierter Satz haben einige Macken.

Das Finale ist wieder ziemlich ruhig, ein bisschen schwerfällig vielleicht auch. So bleibt der erste Eindruck des Abegg Trios der beste, denn den haben die Musiker mit einem Trio A-Dur von Joseph Haydn grandios hinbekommen. Haydn wird nicht mit Samthandschuhen angefasst, ungewohnt massiv klingt hier so manche Stelle. Das Cello spielt im langsamen Satz mit breitem Strich und mehr Gewicht, als man erwartet hätte. In den Ecksätzen wirkt die Musik witzig und vorlaut, und besonders das Finale besticht. Klavier und Violine laufen im Unisono, und das Abegg Trio legt hier einen Sprint über die weite Distanz hin. Doch den Musikern, die bereits seit 35 Jahren zusammenspielen, geht in frischer, schwungvoller und quirliger Musizierfreude nie die Puste aus.