Werke von Beethoven, Schubert und Haydn
im Programm
Abegg Trio im Iburger Schloss
Von Jan Kampmeier
Bad iburg. „Erzherzogtrio“, das liest sich
etwas sperrig, und irgendwie klingt Beethovens Klaviertrio op.
97 auch so. Es ist lang, es ist von einem einigermaßen
bizarren Humor geprägt, und es ist also ein typischer Beethoven.
Das Abegg Trio verstärkt diesen Eindruck noch, denn die
drei Musiker gehen das Werk beim Iburger Schlosskonzert ziemlich
schroff an.
Die Interpretation ist nicht unbedingt rund, was Dynamik und Übergänge
betrifft, aber das ist vielleicht auch nicht der Sinn der Sache.
Die Künstler haben wohl nicht vor, Kanten zu glätten.
Das funktioniert im Scherzo gut und passt auch zum bockigen Finale,
das gar nicht besonders schnell, aber mit Attacke erklingt. Die
Variationen des langsamen Satzes könnte man sich aber auch
gut zarter und mit weniger Druck vorstellen, „cantabile“ hat
Beethoven darüber geschrieben. Ob er sich die Linien, schlicht
gesagt, so laut vorgestellt hat, besonders vom Cello? Es bleibt
immerhin spannend, bequem zurücklehnen ist nicht. In Schuberts
Trio B-Dur, noch länger als Beethovens Werk, wählt
das Abegg Trio gelassene Tempi. Damit ergeben sich im ersten
Satz immer wieder eigenartige Kontraste zu manch abgründiger
Episode. Es versteht sich, dass auch hier nichts geglättet
wird. Der langsame Satz ist beim Abegg Trio nur mäßig
langsam. Sehr intensiv ertönt das Cello zu Beginn und wird
im Verlauf dieses Satzes voller Streicherkantilenen immer wieder
besonders glutvolle Klänge beisteuern. Plötzlich eine
Episode in fahlem Licht, zurückgenommen, ohne Vibrato – sehr
eindrucksvoll. Es ist technisch nicht immer alles ganz perfekt,
und besonders Schuberts dritter und vierter Satz haben einige
Macken.
Das Finale ist wieder ziemlich ruhig, ein bisschen schwerfällig
vielleicht auch. So bleibt der erste Eindruck des Abegg Trios
der beste, denn den haben die Musiker mit einem Trio A-Dur von
Joseph Haydn grandios hinbekommen. Haydn wird nicht mit Samthandschuhen
angefasst, ungewohnt massiv klingt hier so manche Stelle. Das
Cello spielt im langsamen Satz mit breitem Strich und mehr Gewicht,
als man erwartet hätte. In den Ecksätzen wirkt die
Musik witzig und vorlaut, und besonders das Finale besticht.
Klavier und Violine laufen im Unisono, und das Abegg Trio legt
hier einen Sprint über die weite Distanz hin. Doch den Musikern,
die bereits seit 35 Jahren zusammenspielen, geht in frischer,
schwungvoller und quirliger Musizierfreude nie die Puste aus.
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