NOZ, 24.02. 2010
 

Dramatisch, wild, geheimnisvoll

Von Gabriele Böhm
Bad Iburg.
Bravorufe begleiteten am Sonntagabend das Klavierkonzert von Alexander Schimpf, der im Rahmen der Reihe „Kammermusik im Iburger Schloss“ konzertierte. Harry Jahns, künstlerischer Leiter, begrüßte das Publikum im voll besetzten Rittersaal.

Das Iburger Programm bildete einen Querschnitt durch die Musikgeschichte vom Barock bis zur Moderne und gab damit dem Pianisten Gelegenheit. Schimpf begann mit vier Sonaten von Domenico Scarlatti und schien bereits nach den ersten Takten die Umgebung zu vergessen und vollkommen in der Musik zu versinken. Mit bewundernswerter Virtuosität flogen die Finger über die Tasten, ließen Töne frei und fingen sie wieder ein. Spielerisch, aber niemals nachlässig machte Schimpf die Stücke zu einem Erlebnis für die Zuhörer.

Auch in den sehr langsamen von insgesamt acht stark kontrastierenden Sätzen der „Kreisleriana“ – benannt nach der literarischen Figur des Kapellmeisters Johannes Kreisler – blieb Schimpfs konzentriertes Spiel voller Energie und Spannung. Schnelle Passagen machten die Zuhörer geradezu atemlos. Durch eine außerordentlich feine Dynamik gelang es Schimpf, die von Schumann in Noten umgesetzten Gefühle wie Melancholie, Ergriffenheit oder Fröhlichkeit wieder zum Leben zu erwecken.

Ebenso ausdrucksstark und bildreich erklangen die wie Gesangsstücke aufgebauten „Lieder ohne Worte“ von Schumanns Zeitgenossen Felix Mendelssohn Bartholdy, bevor Alexander Schimpf mit „Le jeu des contraires“ fünf Sätze des modernen Komponisten Henri Dutilleux, geboren 1916, zu Gehör brachte. Dramatisch und wild, dann wieder behutsam und geheimnisvoll entfaltete Schimpf hierbei Klangwelten, die eine ganz andere Art des Hinhörens als bei den übrigen Kompositionen des Abends verlangten.

Mit der temperamentvoll vorgetragenen Ungarischen Rhapsodie Nr. 12 als Hommage von Franz Liszt an sein Geburtsland und dessen Folklore schloss Schimpf sein Programm ab. Für den begeisterten Beifall, der fast kein Ende nehmen wollte, bedankte sich der sympathische Künstler mit einer Romanze von Schumann.

Schimpf konzertierte bereits erfolgreich im In- und Ausland, unter anderem als Solist bei den „Ludwigsburger Schlossfestspielen“. Zu seinen Auszeichnungen zählen erste Preise beim Schumann-Wettbewerb in Zwickau (1998) und dem Beethoven-Klavierwettbewerb in Wien (2009).