Dramatisch, wild,
geheimnisvoll
Von Gabriele Böhm
Bad Iburg.
Bravorufe begleiteten am Sonntagabend das Klavierkonzert
von Alexander Schimpf, der im Rahmen der Reihe „Kammermusik
im Iburger Schloss“ konzertierte. Harry Jahns, künstlerischer
Leiter, begrüßte das Publikum im voll besetzten
Rittersaal.
Das Iburger Programm bildete einen Querschnitt durch die Musikgeschichte
vom Barock bis zur Moderne und gab damit dem Pianisten Gelegenheit.
Schimpf begann mit vier Sonaten von Domenico Scarlatti und schien
bereits nach den ersten Takten die Umgebung zu vergessen und vollkommen
in der Musik zu versinken. Mit bewundernswerter Virtuosität flogen die Finger über die Tasten, ließen Töne
frei und fingen sie wieder ein. Spielerisch, aber niemals nachlässig machte
Schimpf die Stücke zu einem Erlebnis für die Zuhörer.
Auch in den sehr langsamen von insgesamt acht stark kontrastierenden Sätzen
der „Kreisleriana“ – benannt nach der literarischen Figur
des Kapellmeisters Johannes Kreisler – blieb Schimpfs konzentriertes
Spiel voller Energie und Spannung. Schnelle Passagen machten die Zuhörer
geradezu atemlos. Durch eine außerordentlich feine Dynamik gelang es
Schimpf, die von Schumann in Noten umgesetzten Gefühle wie Melancholie,
Ergriffenheit oder Fröhlichkeit wieder zum Leben zu erwecken.
Ebenso ausdrucksstark und bildreich erklangen die wie Gesangsstücke aufgebauten „Lieder
ohne Worte“ von Schumanns Zeitgenossen Felix Mendelssohn Bartholdy, bevor
Alexander Schimpf mit „Le jeu des contraires“ fünf Sätze
des modernen Komponisten Henri Dutilleux, geboren 1916, zu Gehör brachte.
Dramatisch und wild, dann wieder behutsam und geheimnisvoll entfaltete Schimpf
hierbei Klangwelten, die eine ganz andere Art des Hinhörens als bei den übrigen
Kompositionen des Abends verlangten.
Mit der temperamentvoll vorgetragenen Ungarischen Rhapsodie Nr. 12 als Hommage
von Franz Liszt an sein Geburtsland und dessen Folklore schloss Schimpf sein
Programm ab. Für den begeisterten Beifall, der fast kein Ende nehmen wollte,
bedankte sich der sympathische Künstler mit einer Romanze von Schumann.
Schimpf konzertierte bereits erfolgreich im In- und Ausland, unter anderem
als Solist bei den „Ludwigsburger Schlossfestspielen“. Zu seinen
Auszeichnungen zählen erste Preise beim Schumann-Wettbewerb in Zwickau
(1998) und dem Beethoven-Klavierwettbewerb in Wien (2009).
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