NOZ, 21.06. 2010
 

Erlesene Kammermusik

Von Martina Binnig
Osnabrück.

Mit einem Konzert des Barockensembles Epoca Barocca endete die Saison 2009/2010 der Iburger Schlosskonzerte: ein dem hohen Niveau der Reihe angemessener Ausklang. Denn Epoca Barocca besteht aus Spezialisten der Alten Musik, die schon seit 1994 miteinander konzertieren. Die Musiker sind bestens aufeinander eingespielt, und ihre Vertrautheit mit der Msikspracuhe des 18. Jahrhunderts schlägt sich in einer ausgesprochen lebendigen und homogenen Musizierhaltung nieder.

Als Klammer ihres Programms stehen Werke für ihre Gesamtbesetzung: Georg Friedrich Händels Sonata a quattro d-Moll zum festlichen Beginn und Antonio Vivaldis Sonata a quattro C-Dur zum fetzigen Finale. Hier eifert Mary Utiger an der Violine mit Oboist Alessandro Piqué und Fagottist Lyndon Watts um die Wette: Mal beginnt die Violine und wird von der Oboe imitiert, mal ist es andersherum, oder Violine und Fagott finden in einem Dialog zusammen. Stets aufmerksame Begleiter sind Gerald Hambitzer am Cembalo und Klaus-Dieter Brandt am Violoncello.

Dazwischen treten die Instrumente solistisch hervor: in Johann Friedrich Faschs Sonata C-Dur etwa das Fagott. Genauer: das Barockfagott. Und das sieht nicht nur schlanker aus als sein heute üblicher Nachfahre, sondern es klingt auch so. Watts legt zarte Wehmut ebenso wie virtuoses Temperament in sein Spiel und begeistert mit dem obertonreichen Klang und der Beweglichkeit seines Instruments.

Auch die Barockoboe Piqués nimmt mit ihrer Wärme ein – besonders im wunderschön klagenden Largo der G-Dur-Sonate von Johann Adolf Hasse. Im Allegro dagegen gehen zunächst Cembalo und Cello und dann auch die Oboe mit energischen Aufwärtsläufen ab wie eine Rakete.

Ganz allein ist Hambitzer mit zwei gegensätzlichen Cembalosonaten von Domenico Scarlatti zu hören. Trotz gleicher Tonart wirkt die eine eher melancholisch introvertiert und die andere motorisch wild wie spanische Flamenco-Musik. In verschiedenen Trio-Besetzungen lässt sich die Farbigkeit der unterschiedlichen Instrumentenkombinationen genießen: Vor allem Christoph Schaffraths Triosonate überrascht mit verzahnter Rhythmik und „Sturm und Drang“-Gestus. Dabei versteht es das Ensemble genau, minimale Tempoverzögerungen zu setzen, und schafft lebendige Kontraste zwischen verinnerlichten Momenten, harschen Akzenten und tänzerischem Swing.

Auch die nächste Spielzeit, die im September beginnt, bietet wieder erlesene Kammermusik wie etwa mit dem renommierten ensemble amarcord.