NOZ, 13.04. 2010
 

Oboe und Harfe in Bad Iburg

Von Thomas Hitzemann
BAD IBURG. Eigentlich sind sie typische Orchesterinstrumente, Oboe und Harfe. Doch neuerdings trifft man sie häufiger auf Kammermusik- oder Solokonzerten. Der 309. Abend im Rittersaal des Iburger Schlosses präsentiert Marie Lesch, Oboe, und Lena-Marie Buchberger, Harfe. Da man Originalliteratur für diese Besetzung suchen muss, spielen die sehr jungen Musikerinnen nur anfangs und am Ende des Konzertes im Duo, zu Beginn tatsächlich ein Originalwerk, die Sonatine für Oboe und Harfe op. 65 in drei Sätzen von Günter Raffael. Souveräner Gebrauch einer schwungvollen Diktion bei nur angedeu-teter Tonalität kennzeichnet dieses Opus, welches das Duo Lesch/Buchberger überlegen aufführt. Den Schlusspunkt setzen die bei den mit Bachs Sonate Es-Dur, BWV 1031, allen Freunden der Querflöte ein Begriff. Erfreulich zu hören, wie gut dieses Werk auch auf der Oboe klingt. Nur im Siciliano wirkt Marie Lesch deutlich angespannt.
Alle weiteren Stücke sind Solokompositionen. Die Oboistin tummelt sich dabei in Originalmusik, die Harfenistin bevorzugt Transkriptionen. Bei Antol Doratis Cinq pieces pour le hautbois kann Marie Lesch fast alle Arten von Tonbildung zeigen. Nervös, neckisch oder bockig erklingt ebenso oft wie elegisch oder weitschweifig. Haltetöne geben ihr Gelegenheit zu edlen Klängen. Rein im Ton und beweglich artikuliert klingen bei ihr Benjamin Brittens Metamorphosen nach Ovid. Entmaterialisiert wirkt französische Cembalomusik von Francois Couperin und Louis Claude Daquin auf den- Harfensaiten mit Lena-Marie Buchberger. Viele Zuhörer im Publikum erkennen die Stücke jedoch gleich an ihren Beinamen "Die Schwalbe" und "Der Kuckuck". Eine vollgültige Widergabe zweier Klaviersonaten von Domenico Scarlatti wird zum Glanzpunkt des Programms. Zwar ein wenig harfenistisch "verzaubert", wirken sie dennoch authentisch, ein echter Hörgenuss!