NOZ, 10.03. 2010
 

Drei Schlitzohren mit Bombentalent

Von Thomas Hitzemann
Bad Iburg.
Geklatscht wurde bei den Kammerkonzerten im Iburger Schloss schon immer. Aber so viel gelacht wie bei dem 308 Abend hat man dort noch nie.

Mit dem „Trio Lézard“ erobern drei Musiker den Herkulessaal, die nur äußerlich seriös wirken. Schon nach wenigen Minuten entpuppen sie sich als musikalische Schlitzohren mit Bombentalent. Eigentlich verrät sie bereits ihr Name. Er ist ein Wortspiel. Die Ausdrücke „Lézard“ und „Les Arts“ klingen auf Französisch fast gleich, bedeuten aber so verschiedene Dinge wie „Eidechse“ und „Die Künste“. Ebenso amüsant wie dieses Begriffsspiel sind alle übrigen Wortbeiträge des Fagottisten Stephane Egeling, des Klarinettisten Stefan Hoffmann und des Oboisten Jan Creutz. Mit echten und erfundenen Einzelheiten berichten sie dem Publikum von einem Besuch des Wunderkindes Mozart in London im Jahre 1764. Da wird nicht nur vor dem Königspaar musiziert. Mozart lernt auch die Komponisten Johann Christian Bach und Carl Friedrich Abel von allen menschlichen Seiten kennen. Passend zu dieser Rahmenhandlung sind die Kompositionen ausgesucht, welche erklingen.

In Vater Leopold Mozarts Divertimento Nr. 2, B-Dur verstehen es die Musiker, den Charme kurzer Motive samtig fließend zu verbinden. Konträre Motive halten Zwiesprache in den Grenzen musikalischer Höflichkeit. Kompositionen der Engländer Matthew Locke und Henry Purcell klingen auf Oboe, Klarinette und Fagott wesentlich transparenter als im Sound des originalen Gamben-Consorts. Bei Wolfgang Amadeus Mozarts Divertimento Nr. 4, C-Dur, KV 229 aber zeigen die Musiker ihr ganzes Können: Perfekte Terzengänge zwischen Oboe und Klarinette sowie frappierend lockere Trommelbässe im Fagott. Ein kleines kompositorisches Meisterwerk in meisterhafter Darbietung.

Den größten Spaß aber hat das Publikum bei einer Art von „historischem Crossover“. Der volkstümliche Dudelsack und die höfischen Instrumente Englischhorn und Bassethorn geben sich die Ehre, gemeinsam eines der 124 Baryton-Trios von Joseph Haydn zu musizieren.

So eine Klangmischung hat man im Schloss von Bad Iburg sicherlich vor rund 250 Jahren zuletzt gehört.