Drei Schlitzohren
mit Bombentalent
Von Thomas Hitzemann
Bad Iburg.
Geklatscht wurde bei den Kammerkonzerten im Iburger Schloss
schon immer. Aber so viel gelacht wie bei dem 308
Abend hat man dort noch nie.
Mit dem „Trio Lézard“ erobern drei Musiker den Herkulessaal,
die nur äußerlich seriös wirken. Schon nach wenigen Minuten
entpuppen sie sich als musikalische Schlitzohren mit Bombentalent. Eigentlich
verrät sie bereits ihr Name. Er ist ein Wortspiel. Die Ausdrücke „Lézard“ und „Les
Arts“ klingen auf Französisch fast gleich, bedeuten aber so verschiedene
Dinge wie „Eidechse“ und „Die Künste“. Ebenso
amüsant wie dieses Begriffsspiel sind alle übrigen Wortbeiträge
des Fagottisten Stephane Egeling, des Klarinettisten Stefan Hoffmann und des
Oboisten Jan Creutz. Mit echten und erfundenen Einzelheiten berichten sie dem
Publikum von einem Besuch des Wunderkindes Mozart in London im Jahre 1764.
Da wird nicht nur vor dem Königspaar musiziert. Mozart lernt auch die
Komponisten Johann Christian Bach und Carl Friedrich Abel von allen menschlichen
Seiten kennen. Passend zu dieser Rahmenhandlung sind die Kompositionen ausgesucht,
welche erklingen.
In Vater Leopold Mozarts Divertimento Nr. 2, B-Dur verstehen es die Musiker,
den Charme kurzer Motive samtig fließend zu verbinden. Konträre
Motive halten Zwiesprache in den Grenzen musikalischer Höflichkeit. Kompositionen
der Engländer Matthew Locke und Henry Purcell klingen auf Oboe, Klarinette
und Fagott wesentlich transparenter als im Sound des originalen Gamben-Consorts.
Bei Wolfgang Amadeus Mozarts Divertimento Nr. 4, C-Dur, KV 229 aber zeigen
die Musiker ihr ganzes Können: Perfekte Terzengänge zwischen Oboe
und Klarinette sowie frappierend lockere Trommelbässe im Fagott. Ein kleines
kompositorisches Meisterwerk in meisterhafter Darbietung.
Den größten Spaß aber hat das Publikum bei einer Art von „historischem
Crossover“. Der volkstümliche Dudelsack und die höfischen Instrumente
Englischhorn und Bassethorn geben sich die Ehre, gemeinsam eines der 124 Baryton-Trios
von Joseph Haydn zu musizieren.
So eine Klangmischung hat man im Schloss von Bad Iburg sicherlich vor rund
250 Jahren zuletzt gehört.
|