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Karl
der Große (772 bis 783)
Die
Iburg soll schon in vorchristlicher Zeit bei den Sachsen
eine Bergfeste (Viberg, altsächsisch = Bergfeste) gewesen
sein.
Karl der Große soll sie 772 und nach Wiederaufbau 783, endgültig
zerstört haben. Er zerstörte aber nicht nur, er gründete u.a.
auch das Bistum Osnabrück und ließ dort, wo der Osnabrücker
Dom steht, die erste Missionskirche zur Christianisierung der Sachsen bauen.
Benno
II. (1068 bis 1088)
Der
aus Schwaben stammende Benno II. (1068 bis 1088), der Burgenbauer
und Kanzler Heinrichs IV., ist der Begründer und Erbauer der Iburg. Aufgrund eines
Gelübdes stiftete er dem Heiligen Klemens, denn er war 1068 am Klemenstag
(23. November) zum Bischof ernannt worden, einen Altar, holte Benediktinermönche
nach Iburg und begann mit dem Bau einer Kirche. Als dreischiffige romanische
Basilika wurde sie 1120 geweiht. Damit begann ein unmittelbares Nebeneinander
von Schloss und Benediktinerkloster, das eine Eigenart der Gesamtanlage darstellt.
In den Eigentumsverhältnissen waren beide streng von einander getrennt.
Gemeinsam genutzt wurden der südliche Aufgang, die sog. Klotzbahn (von
plattdeutsch "Kloet" oder "Klot" = Kugel), und der Binnenhof
vor der Klosterkirche.
Konrad
I. (1227 bis 1239)
Die
Bestrebungen der Osnabrücker Bischöfe, neben ihren geistlichen
Aufgaben auch über die weltliche Macht zu verfügen, kann man 1236
als erfolgreich beendet ansehen, nachdem Bischof Konrad I. (von Velber) die
Vogteirechte (Gerichts- und Militärhoheit) erhalten hatte.
Das Gebiet des ehemaligen Fürstbistums Osnabrück erstreckte sich
im übrigen etwa auf das des heutigen Großkreises Osnabrück
und eine Exklave um Wiedenbrück (Amt Reckenberg), während die Diözese
(Kirchenprovinz) bis vor die Tore Oldenburgs reichte.
Bruno
(1239 bis 1258)
Die
verwitwete Jutta von Vechta (von Ravensberg), die ihre Vogteirechte
in den heutigen Landkreisen Vechta und Cloppenburg verkaufen
wollte, da sie ohne
männliche Erben war und in die Eifel geheiratet hatte, bot 1252 ihre Rechte
dem Osnabrücker Fürstbischof Bruno zum Kauf an; denn der verfügte
dort schon über die kirchlichen Befugnisse. Da er das nötige Geld
nicht hatte, wandte sich Jutta von Vechta an den Bischof von Münster: "Was
St. Peter (Osnabrück) nicht will, wird St. Paul (Münster) nicht verschmähen." Der
Münsteraner kaufte für 40.000 Taler und gewann so die weltliche Herrschaft
dieses Raumes für Münster, während die geistliche noch bis 1667
bei Osnabrück verblieb ("Petrus führte den Schlüssel und
Paulus das Schwert").
Johann
II. (1348 bis 1366)
Nach
einem Brand 1349, der Burg und Kloster mit Ausnahme des nördlichen
Querflügels der romanischen Klosterkirche vernichtete, baute Johann
II. von Hoet sie wieder auf.
Konrad
IV. (1482 bis 1508)
Konrad
IV. von Rietberg befestigte Burg und Flecken Iburg. Durch
ihn erhielt der sogenannte Bennoturm, der älteste Teil der bischöflichen
Anlage, im wesentlichen die heutige Gestalt.
Ein Wappen an der Ostseite mit den Rietberg'schen Adlern deutet auf den Erbauer
hin. In den Zellen diese Turmes haben u.a. auch die Wiedertäufer Bernd
Knipperdolling, Jan van Leiden und Bernd Krechting mehrere Monate zubringen
müssen, nachdem Fürstbischof Franz von Waldeck (1532 bis 1553) sie
in Münster 1535 besiegt und gefangengenommen hatte. Hingerichtet wurden
sie in Münster im Januar 1536.
Auch der Osnabrücker Bürgermeister Dr. Pelzer, der seinem Landesherrn
während des Dreißigjährigen Krieges den nötigen Respekt
versagte, wurde danach in diesem Turm und in Fürstenau mehr als sechs
Jahre elend gefangengehalten. Er überlebte zwar, war aber blind und
wahnsinnig als er endlich freikam.
Fernwasserleitung
für das Kloster, 1518
1518
bauten die Mönche unter ihrem Prior Frerking aus Oldenzaal die erste
Fernwasserleitung Norddeutschlands vom 331m hohen Dörenberg durch das
Tal zum 161 m hohen Schlossberg in einer Länge ca. 2000 m (Gesetz der
kommunizierenden Röhren).
1553,
Philipp Magnus, Prinz von Braunschweig-Wolfenbüttel
Im
Rahmen eines Vergeltungsfeldzuges im Zusammenhang mit den
Auseinandersetzungen nach der Reformation erobert und plündert der Prinz die Iburg, das Kloster
und den Flecken. In einem zeitgenössischen Bericht werden die eroberten
und geraubten Schätze besonders hervorgehoben.
Philipp-Sigismund
von Braunschweig-Wolfenbüttel (1591 bis 1623)
Die
Braunschweiger investierten aber auch wieder in Iburg, denn
unter Philipp-Sigismund wurde durch tüchtige Baumeister
an fast allen Schlossteilen gebaut.
Er schuf den Rittersaal als Jagd- und Esssaal sowie 1595 in seinem Lustgarten,
genannt das "Freudenthal", am südlichen Abhang des Schlossberges
ein Lusthaus. Dieses "Forsthaus im Freudenthal" erhielt 1650 seinen
heutigen Standort in den Kuranlagen. Dieser Fürstbischof gab dem Schloss
die heutige Gestalt als vierflügelige Renaissanceanlage.
Franz
Wilhelm von Wartenberg (1625 bis 1661)
Der
Dreißigjährige Krieg brachte viele Zerstörungen, insbesondere
durch die schwedische Besatzung von 1633 bis 1650, so dass von den Aktivitäten
Philipp-Sigismunds nur wenig erhalten blieb.
Bevor der geflohene Franz Wilhelm von Wartenberg, ein unebenbürtiger Nachkomme
der Wittelsbacher, 1650 nach Abzug der letzten Schweden zurückkehren konnte,
hatte man sich in den Friedensverhandlungen zu Münster und Osnabrück
erst über die Zukunft des zur Hälfte protestantisch gewordenen Fürstbistums
verständigen müssen. Die Schweden erhielten 80.000 Taler Entschädigung
für ihren Abzug. Für den Ausgleich der Interessen der kaiserlich-katholischen
Partei und der prostestantisch-welfischen "erfanden" die Diplomaten
die wechselnde Bischofsfolge (Alternierende Sukzession). Eine einmalige Regelung
im Deutschen Reich, die nach dem Tode des katholischen Fürstbischofs
die Regierung durch einen protestantischen aus dem Welfenhause festlegte.
Diesem
folgte wieder ein Katholik und sofort.
Da Franz Wilhelm wusste, wie zerstört sein Schloss war, brachte er Baumeister
aus seiner bayrischen Heimat und Andrea Aloisi Galanini, einen Maler aus Bologna,
mit. Er musste einige Flügel von Grund auf neu errichten. Ihm und seinen
Baumeistern verdanken wir die barocke Ausgestaltung des Rittersaals, dem Glanzstück
des Schlosses, entstanden in den Jahren 1650-1661. Nach den Renovierungen durch
das Land Niedersachsen, dem heutigen Eigentümer des Schlosses, in den
Jahren 1984/85 und 1995/96 erstrahlt der Raum wieder in seinem ursprünglichen
barocken Glanz.
Die perspektivische Deckenmalerei ist die älteste noch original erhaltene
nördlich der Alpen. Eine ältere in der Münchener Residenz ist
im 2. Weltkrieg zerstört worden.
Rundherum sind in acht großen Deckengemälden folgende Taten des
Herakles dargestellt:
-Kampf
mit dem Höllenhunde Cerberus -Kampf mit dem nemäischen
Löwen
-Kampf mit dem kretischen Stier
-Herakles verrichtet weibliche Arbeit
-Herakles holt die Äpfel der Hesperiden
-Herakles kämpft mit dem Riesen Antäus
-Herakles kämpft mit der lernäischen Hydra und
-Herakles trägt für Atlas die Weltkugel,
der Sage nach das Himmelsgewölbe.
Die Bilder über dem Kamin stellen im Hinblick auf das von ihm zu bergende
Feuer den Brand der drei Männer im Feuerofen, das Brandopfer Kains und
den Brand Sodoms und Gomorras mit der Rettung der Familie Lot dar.
Auf den Porträts an den Wänden ("Osnabrücker Bischofsgalerie")
im Rittersaal und in der Vorhalle sind die Osnabrücker Bischöfe und
Landesherrn sowie Karl der Große, Widukind, sein Vater und einige andere
für das Bistum bedeutende Persönlichkeiten zu sehen.
Der Fußboden des Rittersaales weist mit blauschwarzen und weißgrauen
rautenförmig verlegten Fliesen auf das bayrische Wappen von Franz Wilhelm
hin.
Ernst
August I. von Braunschweig-Lüneburg (1661 bis 1698)
Der
aufgrund der alternierenden Sukzession nun folgende Landesherr
und spätere
Kurfürst von Hannover, Ernst August aus dem protestantischem Hause Braunschweig-Lüneburg,
vollendete die von Franz Wilhelm begonnenen Bauarbeiten. Auf ihn geht auch
die Einrichtung der lutherischen Schlosskirche in einem Seitenflügel im
Jahre 1664 zurück. Seitdem sind auf dem Gelände der Iburg beide Konfessionen
mit einem Gotteshaus präsent.
Mit Ernst August kam seine kluge Gemahlin Sophie von der Pfalz. In ihren
Adern floss das Blut der Stuarts, denn sie war durch ihre Muter Elisabeth
Stuart,
der Gemahlin Friedrichs V. von der Pfalz, eine Enkelin Jakobs I. von Schottland
und England. Aufgrund dieser Abstammung erbte 1714 ihr Sohn Georg Ludwig
als Georg I. die Krone Großbritanniens.
In einer "bescheidenen Kemenate" schrieb Sophie schenkte sie am 30.
Oktober 1668 auf der Iburg ihrer Tochter Sophie Charlotte das Leben (Charlottenzimmer).
Diese Tochter heiratete den späteren Kurfürsten Friedrich III. von
Brandenburg-Preußen, der sich am 18.01.1701 in Königsberg zum ersten
König in Preußen krönte. So ist die hier geborene Sophie Charlotte
die erste preußische Königin geworden. Sie war die Mutter des Soldatenkönigs
und die Großmutter Friedrichs des Großen. Mit diesen verwandtschaftlichen
Fäden der Herrscherhäuser von England, Hannover und Preußen
erhält das Schloss seine überregionale Bedeutung.
Ernst August bzw. seiner anspruchsvollen Gemahlin Sophie wurde jedoch die
Iburg später zu klein. Deshalb ließ er in Osnabrück ein größeres
Schloss errichten und verlegte 1673 die Residenz nach dort. Damit endete die
600jährige Residenz der Osnabrücker Fürstbischöfe auf
der Iburg. Die Burg verwaiste mehr und mehr.
Klosterneubau
mit Johann Conrad Schlaun von 1751 - 1755
Das
Kloster erhielt unter dem Abt Adolph Hane zur o. a. Zeit
den heute noch vorhandenen barocken Neubau im Osten durch
Johann Conrad Schlaun, den Meister
des westfälischen Barocks. Schlaun erbaute u.a. auch den Erbdrostenhof
und das Schloss in Münster sowie Clemenswerth in Sögel.
Nach der Säkularisation fielen das Fürstbistum Osnabrück und
die Iburg mit dem Kloster endgültig an das Welfenhaus.
Als 1866 Hannover preußische Provinz wurde, ging auch das Schloss in
preußischen Besitz über. Seit der Zeit sind Verwaltungsdienststellen
im Schloss untergebracht gewesen. Jetzt nutzt das Land Niedersachsen als Eigentümer
das Schloss mit zwei Dienststellen der Landesverwaltung, dem Amtsgericht
Bad Iburg und dem Bildungsinstitut der Polizei Niedersachsen.
Horst
Denningmann Ltd. Polizeidirektor
Nachtrag Oktober 2007:
Niedersächsische Schulinspektion
Seit Mai 2005 ist Schloss Iburg offizieller Sitz der Niedersächsischen Schulinspektion.
Landschaftsverband Osnabrücker Land
Der Kulturträger bezog im Mai 2006 mit seiner Geschäftsstelle die ehemalige Hofapotheke auf Schloss Iburg. Um 1600 errichtet, verbindet das Gebäude als Teil der alten Doppelanlage den Schloss- und den Klosterbereich. Aus der Erbauungszeit haben sich noch ein steinerner Kamin sowie wenige Reste des ursprünglicheen Wandputzes erhalten.
Der Landschaftsverband Osnabrücker Land ist zuständig für die regionale Kulturförderung in Stadt und Landkreis Osnabrück, etwa durch finanzielle Förderung oder durch eigene Projekte. Die wissenschaftliche Erschließung von Schloss Iburg gehört neben anderen zu den Schwerpunktthemen des Verbandes.
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